Marktkommentar-Archiv

In unserem Archiv finden Sie chronologisch geordnet alle bisher erschienenen Marktkommentare von Claus Vogt. Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame und gewinnbringende Lektüre.

Fed zerstört einen der besten Rezessionsindikatoren

Der Wirtschaftszyklus ist ein altbekanntes Phänomen. Für Unternehmer und Investoren, aber auch für Politiker, die nach Wählerstimmen gieren, wären selbst halbwegs treffsichere Prognosen des Hin und Her zwischen Aufschwung und Rezession von unschätzbarem Wert. Allein, es will der überwältigend großen Mehrheit der Ökonomen einfach nicht gelingen, das Auf und Ab der Wirtschaft zu verstehen, geschweige denn vorherzusagen.

Das ist auf den ersten Blick durchaus erstaulich, denn es gibt zumindest einen Rezessionsindikator, der in der gesamten Nachkriegszeit kein einziges Fehlsignal gegeben hat: eine inverse Zinsstruktur. Immer, wenn die kurzfristigen Zinsen höher waren als die langfristigen, kam es anschließend zu einer Rezession. Ausnahmslos.

Aber leider ist auch dieser Indikator nicht perfekt. Denn es gab auch Rezessionen, denen keine inverse Zinsstruktur vorausgegangen ist. Außerdem hat die Nullzinspolitik der Fed diesen Indikator zerstört. Denn mit dem Einfrieren der kurzfristigen Zinsen in der Nähe von 0% ist eine inverse Zinsstruktur natürlich nicht mehr möglich. Damit gleichen Bernanke und Co. Ärzten, die mutwillig das Fieberthermometer zerstört haben – und dennoch glauben, den Zustand ihrer Patienten beurteilen zu können.

Zentralbankbürokraten tun, als wären sie allwissend

Wenn man der großen Mehrheit der Analysten und Ökonomen Glauben schenkt, dann sind die Preismanipulationen der Zentralbankbürokraten und die Unsummen neu gedruckten Geldes, mit denen sie Staatsanleihen kaufen, also Staatsfinanzierung betreiben, der Weisheit letzter Schluss. Nach dieser Denkart sind Preise, die aufgrund marktwirtschaftlicher Prinzipien zustande kommen, schlecht für Wirtschaft und Gesellschaft. Aber Preise, die von einem kleinen Zirkel elitärer Bürokraten festgesetzt werden, sollen genau das sein, was wir jetzt brauchen.

Zentralbanker sind Planwirtschaftler und Marktmanipulateure

Nie zuvor hat die internationale Zentralbanknomenklatura die Finanzmärkte in einem Ausmaß manipuliert, wie wir es inzwischen schon seit mehreren Jahren erleben. Hinter dieser Vorgehensweise steht natürlich der Gedanke, dass es möglich und sinnvoll sei, die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Länder, ja der ganzen Welt zu lenken. Moderne Zentralbanker sind also Planwirtschaftler, auch wenn sie sich selbst nicht so nennen und weder von den linken noch von den eher naiven, gutmenschlich motivierten Kapitalismuskritikern als solche erkannt werden.

Risikoindikator in illustrer Gesellschaft

In ihrer Gesamtheit befinden sich die mittel- bis langfristigen Aktienmarktindikatoren, die in der Vergangenheit gerade für konservative Anleger hervorragende Dienste geleistet haben, längst auf einem Extremniveau. Ohne an dieser Stelle auf Details eingehen zu können, lässt sich das aktuelle Marktgeschehen nur noch mit einigen wenigen historischen Episoden vergleichen. Und die haben es in sich:

·       1929: Es folgte ein spektakulärer Aktiencrash von 50%, der sich als Auftakt der Weltwirtschaftskrise erweisen sollte. In der Spitze verlor die US-Börse 90%.

·       1972: Es folgte eine zyklische Baisse, in deren Verlauf sich die Kurse halbierten.

·       1987: Erneut kam es zu einem Aktiencrash mit Kursverlusten von gut 40%.

·       1999/00: Der S&P 500 halbierte sich, während NASDAQ, DAX und Neuer Markt erheblich größere Verluste hinnehmen mussten.

·       2007: Die Kurse halbierten sich. Massive staatliche Interventionen konnten Schlimmeres verhindern.

·       2011: Nachdem der S&P 500 rund 20% verloren hatte, setzten massive staatliche Interventionen ein. Erneut gelang es, den begonnenen Bereinigungsprozess aufzuhalten.

·       2012/13: Die Indikatoren signalisieren schon wieder allerhöchste Gefahr.

Auf dem folgenden Chart des Weltleitindex' S&P 500 können Sie die Qualität dieser Signale nachvollziehen.