Marktkommentar-Archiv

In unserem Archiv finden Sie chronologisch geordnet alle bisher erschienenen Marktkommentare von Claus Vogt. Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame und gewinnbringende Lektüre.

Der mit Abstand wichtigste Preis für die Weltwirtschaft ist der Preis für Geld und Kapital – also der Zins. Den deutlichen Zinsanstieg seit Mai dieses Jahres habe ich bereits mehrmals thematisiert, weil ich es für sehr wichtig halte, wenn sich der bedeutendste Einflussfaktor des Wirtschaftsgeschehens in kurzer Zeit relativ stark verschlechtert. Schließlich sind steigende Zinsen Gift für die Börse und eine Belastung für die Wirtschaft - in besonderem Maße natürlich für hoch verschuldete Volkwirtschaften wie es fast alle Industrienationen - inklusive Deutschland - inzwischen sind.

Insofern kann es nicht verwundern, dass bereits erste realwirtschaftliche Bremsspuren sichtbar werden, vor allem natürlich in den besonders zinssensitiven Bereichen. Beispielsweise ist die Anzahl der Hypothekenkreditanträge in den USA in den vergangenen drei Monaten um mehr als 50% zurückgegangen. Sie befindet sich jetzt auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2008. Refinanzierungen sind sogar um 70% eingebrochen – sie rechnen sich auf dem höheren Zinsniveau einfach nicht mehr. Und die bescheidene Erholung im Hausbausektor hat ebenfalls einen Dämpfer erhalten, der sich wahrscheinlich als der obere Wendepunkt in diesem künstlich angefachten und in die Länge gezogenen Konjunkturzyklus erweisen wird. Der starke Rückgang der Hypothekenkreditanträge spricht jedenfalls dafür.

Zinssatz 10-jähriger US-Staatsanleihen steigt auf knapp 3%

Der weltweite Zinsanstieg der vergangenen Wochen hat sich fortgesetzt. Der Zinssatz 10-jähriger US-Staatsanleihen hat gerade ein neues Jahreshoch von 2,98% erreicht. Das ist der höchste Wert seit Juli 2011.

Trotz dieses sehr deutlichen Anstiegs - Anfang Mai dieses Jahres betrug der Zinssatz nur 1,6% - existieren keinerlei Anzeichen für ein Ende dieser Bewegung. Schlimmer noch: Dieser Zinsanstieg erfolgt, obwohl die Zentralbankbürokraten Monat für Monat in nie zuvor gekanntem Ausmaß Anleihen kaufen mit dem erklärten Ziel, die Zinsen nach unten zu manipulieren. Offenbar sind Bernanke und Konsorten am Ende der Fahnenstange angekommen. Ihr von Hybris zeugender Traum, mit planwirtschaftlichen Methoden Wohlstand zu kreieren, kann nicht in Erfüllung gehen. Die Rentenmärkte haben nun damit begonnen, ihnen diese Lektion einzubläuen. Aktienmärkte und Realwirtschaft werden demnächst folgen.

Ende Juni dieses Jahres fiel der Goldpreis auf ein Tief von 1.180$ pro Feinunze. Damit war er von seinem knapp zwei Jahre zuvor erreichten Hoch von 1.920$ um stattliche 38,5% gefallen. Zwar notierte er selbst nach dieser ausgeprägten Korrektur noch immer fast 400% höher als zur Jahrtausendwende - während Aktien in derselben Zeit nur eine nervenaufreibende Achterbahnfahrt zu bieten hatten - aber dennoch war die Enttäuschung groß und die Stimmung unter den Goldanlegern grottenschlecht, ja depressiv.

Erfolgreiche Zentralbankpropaganda

Die US-Zentralbank kauft Monat für Monat für 85 Mrd. $ Anleihen, überwiegend Staatsanleihen. Sie bezahlt diese Käufe mit Geld, das sie extra zu diesem Zweck - gewissermaßen aus dem Nichts - erschafft. Diesem Geld stehen also keine Güter oder Dienstleistungen gegenüber, sondern nichts, gar nichts.

Die Menge der von fleißigen Menschen erzeugten Güter und Dienstleistungen bleibt also gleich, nur die Geldmenge steigt. Dass auf diese Weise kein Wohlstand erzeugt werden kann, ist eigentlich offensichtlich. Dennoch hat die Zentralbanknomenklatura es irgendwie geschafft, genau dieses Propagandamärchen fest in der veröffentlichten Meinung und in dem, was an den Universitäten Wirtschaftswissenschaften heißt, zu verankern.

Das ist eine durchaus bemerkenswerte Leistung. Sie demonstriert auf beeindruckende Weise, was mit kluger Propaganda möglich ist.

Aber dem Gemeinwohl dient diese Leistung nicht. Denn sie setzt lediglich einen heimtückischen und teilweise sehr verschlungenen Umverteilungsprozess in Gang, der bei der Ausweitung der zwar oft beklagten, aber selten analysierten Kluft zwischen Arm und Reich eine sehr wichtige Rolle spielt.