Marktkommentar-Archiv

In unserem Archiv finden Sie chronologisch geordnet alle bisher erschienenen Marktkommentare von Claus Vogt. Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame und gewinnbringende Lektüre.

Risikoindikator in illustrer Gesellschaft

In ihrer Gesamtheit befinden sich die mittel- bis langfristigen Aktienmarktindikatoren, die in der Vergangenheit gerade für konservative Anleger hervorragende Dienste geleistet haben, längst auf einem Extremniveau. Ohne an dieser Stelle auf Details eingehen zu können, lässt sich das aktuelle Marktgeschehen nur noch mit einigen wenigen historischen Episoden vergleichen. Und die haben es in sich:

·       1929: Es folgte ein spektakulärer Aktiencrash von 50%, der sich als Auftakt der Weltwirtschaftskrise erweisen sollte. In der Spitze verlor die US-Börse 90%.

·       1972: Es folgte eine zyklische Baisse, in deren Verlauf sich die Kurse halbierten.

·       1987: Erneut kam es zu einem Aktiencrash mit Kursverlusten von gut 40%.

·       1999/00: Der S&P 500 halbierte sich, während NASDAQ, DAX und Neuer Markt erheblich größere Verluste hinnehmen mussten.

·       2007: Die Kurse halbierten sich. Massive staatliche Interventionen konnten Schlimmeres verhindern.

·       2011: Nachdem der S&P 500 rund 20% verloren hatte, setzten massive staatliche Interventionen ein. Erneut gelang es, den begonnenen Bereinigungsprozess aufzuhalten.

·       2012/13: Die Indikatoren signalisieren schon wieder allerhöchste Gefahr.

Auf dem folgenden Chart des Weltleitindex' S&P 500 können Sie die Qualität dieser Signale nachvollziehen.

Ein interessantes Intraday-Reversal

Am Mittwoch, den 22. Mai 2013 kam es an der Weltleitbörse der USA zu einer beeindruckenden - und wahrscheinlich bedeutenden - kurzfristigen Trendwende, einem Intraday-Reversal: Der Börsentag begann euphorisch mit deutlich steigenden Kursen, drehte ins Minus und beendete den Tag schließlich mit Verlusten. Die Kursspanne betrug beim Weltleitindex S&P 500 relativ hohe 2,3% und die Umsätze zogen deutlich an.

Scheinbar unverwundbar: Nie mehr schwach?

Im Moment sieht es so aus, als wären die Aktienmärkte unverwundbar. Nie mehr schwach heißt die Devise.

Rezession in Europa? Kein Problem für die Börse.

Schwache US-Frühindikatoren? Kein Grund zur Sorge.

Stagnierende Unternehmensgewinne? Belanglos.

Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen? Unbedeutend.

Europäische Staatsschuldenkrise? Gelöst.

Deutliche Überbewertung mit einem Shiller-KGV von 24? Ende der 90er und 1929 war es höher.

Gewinnmarge auf Rekordniveau und 70% über dem langjährigen Durchschnitt? Ab sofort normal.

Unseriöse Geldpolitik? Bullish.

Sentimentindikatoren auf Topniveau? Gelogen, keiner ist dabei.

Wertpapierkredite auf Allzeithoch? Spekulieren ist alternativlos.

Sie reden vom Sparen und verschwenden unser Geld

Die Regierungen Frankreichs und Spaniens werden - wieder einmal - die Vorgaben für die Neuverschuldung ihrer jeweiligen Staatshaushalte nicht einhalten. Für die Eurokraten in Brüssel ist dieser erneute Bruch eindeutiger Zielvereinbarungen natürlich kein Problem. Beide Länder seien ja auf dem richtigen Weg und benötigten lediglich etwas mehr Zeit als ursprünglich angenommen. Und diese Zeit werde man ihnen selbstverständlich einräumen.

Die Möchtegern-Weltverbesserer und selbsternannten Weltenretter der Eurokratie bleiben ihrer kurzsichtigen Politik also treu. Sie scheren sich einen feuchten Kehricht um die verheerenden langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen. Sie wollen das offensichtliche Staatsschuldenproblem nicht beheben, sondern es solange wie irgend möglich vor sich her schieben. Und dabei so tun, als wüssten sie nicht, wie sehr sie es auf diese Weise noch verschlimmern.