Marktkommentar-Archiv

In unserem Archiv finden Sie chronologisch geordnet alle bisher erschienenen Marktkommentare von Claus Vogt. Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame und gewinnbringende Lektüre.

Liebe Leser,

trotz hoher Inflationsraten hat die EZB bisher an ihrer unseriösen Nullzinspolitik festgehalten. Damit wird die Zentralbank ihrem offiziellen Auftrag, für Geldwertstabilität zu sorgen, natürlich nicht gerecht und missachtet die Interessen der Bevölkerung auf skandalöse Weise.

Nun steigen seit einigen Wochen die Anleihenzinsen hochverschuldeter EU-Mitgliedstaaten wie Italien wieder stärker als die Zinsen deutscher Bundesanleihen. Das ist ein klares Zeichen, dass die nächste Euro-Krise droht.

Schon trafen sich am 15. Juni 2022 die EZB-Oberen in einer außerordentlichen Sitzung, um Maßnahmen zu beraten, mit denen sie Staatsbankrotte und das Zerbrechen der Europäischen Währungsunion verhindern können. Ob ihnen das noch einmal gelingen wird, sei dahingestellt.

Liebe Leser,

als die Inflation voriges Jahr zu steigen begann, haben wir dieser wichtigen Entwicklung im Juli 2021 eine Themenschwerpunkt-Ausgabe gewidmet. Unser Fazit lautete: „Die Weichen stehen auf Inflation und lassen eine neue inflationäre Ära erwarten.“

Trotz der deutlichen Warnzeichen gingen die Zentralbanker nicht gegen die drohende Geldentwertung vor, sondern setzten ihre ultralaxe Geldpolitik unbeirrt fort. Zu ihrer Rechtfertigung ließen sie auf allen Kanälen verlauten, die hohe Geldentwertung sei nur vorübergehend und deshalb kein Problem. Inzwischen hat sich dieses Vorübergehend der Zentralbanker als vorübergehend erwiesen und ist aus ihren Pressemeldungen und Redemanuskripten verschwunden.

Liebe Leser,

das Spekulieren auf Kredit nimmt in jeder Aktienhausse zu, und ein sehr starker und steiler Anstieg der Wertpapierkredite ist ein typisches Merkmal von Spekulationsblasen. Das sehen Sie auf dem folgenden Chart. Er zeigt Ihnen in Rot den Verlauf des S&P 500 (rechte Achse) und darüber in Blau die Summe der US-Wertpapierkredite in Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP, linke Achse).

Von März 2020 bis Oktober 2021 hat die kreditfinanzierte Aktienspekulation von einem bereits sehr hohen Niveau aus einen weiteren steilen Anstieg erfahren. Damit wurde sowohl das hochspekulative Treiben während der Endphase der Technologieblase in den Jahren 1999/2000 weit übertroffen, als auch das Geschehen am Top von 2007.

Liebe Leser,

inzwischen gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass die von uns erwartete Baisse an den Aktienmärkten begonnen hat. Wie sich eine Baisse typischerweise entwickelt, haben wir Ihnen in den vergangenen Monaten ausführlich dargelegt. Diesem Drehbuch sind die Märkte bisher gefolgt und werden es vermutlich auch weiterhin tun.

Dazu sollten Sie wissen, dass die durchschnittliche Dauer einer Baisse in den vergangenen 100 Jahren 19 Monate betrug. Da der S&P 500 sein Hoch erst am 4. Januar 2022 erreicht hat, befinden wir uns rein zeitlich gesehen also immer noch in der Frühphase dieses Abwärtstrends.