Marktkommentar-Archiv

In unserem Archiv finden Sie chronologisch geordnet alle bisher erschienenen Marktkommentare von Claus Vogt. Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame und gewinnbringende Lektüre.

Sie reden vom Sparen und verschwenden unser Geld

Die Regierungen Frankreichs und Spaniens werden - wieder einmal - die Vorgaben für die Neuverschuldung ihrer jeweiligen Staatshaushalte nicht einhalten. Für die Eurokraten in Brüssel ist dieser erneute Bruch eindeutiger Zielvereinbarungen natürlich kein Problem. Beide Länder seien ja auf dem richtigen Weg und benötigten lediglich etwas mehr Zeit als ursprünglich angenommen. Und diese Zeit werde man ihnen selbstverständlich einräumen.

Die Möchtegern-Weltverbesserer und selbsternannten Weltenretter der Eurokratie bleiben ihrer kurzsichtigen Politik also treu. Sie scheren sich einen feuchten Kehricht um die verheerenden langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen. Sie wollen das offensichtliche Staatsschuldenproblem nicht beheben, sondern es solange wie irgend möglich vor sich her schieben. Und dabei so tun, als wüssten sie nicht, wie sehr sie es auf diese Weise noch verschlimmern.

Grenzenloser Börsenoptimismus an der Wall Street

Das US-Finanzmagazin "Barron's" berichtet nicht nur seit vielen Jahrzehnten auf erfreulich hohem Niveau über das Geschehen an den Finanzmärkten. Seit mehr als 20 Jahren führt es auch regelmäßig eine Befragung von Wall Street-Experten durch und veröffentlicht anschließend die Ergebnisse. Sie liefern ein sehr aussagekräftiges Stimmungsbild.

Das jüngste Umfrageergebnis wurde am 20. April 2013 publiziert, und es lässt aufhorchen. Stattliche 74% der Fondsmanager bezeichnen ihre Erwartungshaltung für die Aktienmärkte als bullish oder sehr bullish. Das ist der höchste jemals gemessene Wert.

Nie zuvor war die wichtige Gruppe der Fondsmanager also zuversichtlicher als heute. Nicht in der Endphase der größten Aktienspekulationsblase aller Zeiten im Jahr 2000 und nicht am Top der Echoblase von 2007. Und das, obwohl der S&P 500 Index lediglich auf ziemlich genau demselben Niveau notiert wie an den Hochpunkten der Jahre 2000 und 2007 – und der NASDAQ 100 Index befindet sich sogar deutlich unter seinem im März 2000 erreichten Allzeithoch.

Weltweit schwache Wirtschaftsdaten und Frühindikatoren

In den vergangenen Tagen und Wochen wurden nahezu weltweit schwache Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Sowohl die Unternehmensgewinne als auch die gesamtwirtschaftlichen Kennzahlen enttäuschten auf breiter Front. Jüngstes Beispiel: die Einkaufsmanagerindizes für China, Europa und die USA. Diese wichtigen ökonomischen Frühindikatoren signalisieren für Europa nicht nur eine Fortsetzung der Rezession, sondern ihr Übergreifen auf die bisher weitgehend verschont gebliebene deutsche Wirtschaft.

Für China und die USA deuten die Indikatoren auf einen Abschwung hin, haben aber noch kein Rezessionsniveau erreicht. Ihr deutlicher Rückgang spricht allerdings klar gegen die aktuelle Mehrheitsmeinung, die für beide Länder einen Aufschwung im zweiten Halbjahr erwartet. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren, wird sich diese Erwartung wohl wieder nicht erfüllen.

Allzeithoch des Dow trotz schwacher Wirtschaftsdaten

Der bekannteste Aktienindex der Welt, der Dow Jones Industrial Average, ist seit Jahresanfang in der Spitze um stattliche 15% gestiegen. Dabei hat er sogar ein neues Allzeithoch erreicht, hat also seinen bisherigen Höchstkurs überschritten, der seit Oktober 2007 Bestand hatte.

Auch dem sehr viel breiter gefassten S&P 500 Index gelang es, in den Bereich seiner historischen Höchststände vorzudringen. Auch er markierte sein altes Allzeithoch im Oktober 2007, konkret am 11. Oktober bei einem Stand von 1.576,09 Punkten. Am 11. April 2013 verbesserte der Index diesen Rekord um 1,3% und stieg in der Spitze auf 1.597,35 Punkte.

Während sich diese beiden wichtigen US-Indizes also nach fünfeinhalb Jahren wieder im Bereich ihrer Allzeithochs bewegen, zeigen die US-Sentimentindikatoren ein Höchstmaß an Sorglosigkeit und Euphorie – obwohl ein Vergleich der aktuellen makroökonomischen Kennzahlen mit denen des Jahres 2007 ein ziemlich enttäuschendes Ergebnis liefert.