Marktkommentar-Archiv

In unserem Archiv finden Sie chronologisch geordnet alle bisher erschienenen Marktkommentare von Claus Vogt. Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame und gewinnbringende Lektüre.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Liebe Leser,

“The problem with QE is that it works in practice but it doesn’t work in theory.”
(Ex-Fed-Präsident Ben Bernanke)
(Das Problem mit Quantitative Easing (QE) ist, dass es in der Praxis funktioniert, aber nicht in der Theorie.)

Dieses durchaus witzig gemeinte Bonmot gab der ehemalige Fed-Präsident Ben Bernanke am 16. Januar 2014 zum Besten. Im Unterschied zum ersten Teil dieser Aussage, ist der zweite Teil korrekt. Denn es gibt tatsächlich keine Erklärung, keine Theorie, mit der man begründen könnte, dass Anleihenkäufe der Zentralbank mit extra zu diesem Zweck geschaffenem Geld („QE“) funktionieren, das heißt für Wirtschaftswachstum und Wohlstand sorgen könnten. Aber es gibt mit der Österreichischen Schule der Ökonomie eine Theorie, mit der sich überzeugend begründen lässt, dass QE nicht funktionieren kann, sondern im Gegenteil verheerende negative Folgen hat, die aber erst mit einer gewissen Verzögerung sichtbar werden.

Diese bedenklichen Tatsachen haben den blitzgescheiten Professor Bernanke aber nicht davon abgehalten, die Welt mit einem QE-Programm in Billionenhöhe zu „beglücken“. Damit hat er uns alle zu Versuchskaninchen seines theorielosen und damit in höchstem Maße unwissenschaftlichen Experiments gemacht, das folglich einzig und allein auf des Professors QE-Aberglauben beruht. Schöne neue Welt der Gelddrucker!

Dichtung statt Wahrheit

[Der folgende Text ist ein Auszug aus einem Krisensicher Investieren Wochenupdate.]


Lieber Leser,

dass mit dem Zustand der Weltwirtschaft etwas nicht stimmt, hat man inzwischen auch bei der OECD bemerkt. Deren Chefökonom Pier Carlo Padoan sieht in der weit verbreiteten Verlangsamung der Produktivität sogar einen „Vorboten des Beginns einer neuen Niedrigwachstums-Ära“, also eine Zeitenwende. Ausdrücklich weist er darauf hin, dass davon auch die Schwellenländer betroffen seien. Was allerdings fehlt, ist eine überzeugende Ursachenanalyse. Kein Wunder, müsste diese doch zu dem politisch nicht gewollten Ergebnis kommen, dass die Geld- und Staatsschuldenpolitik der vergangenen Jahre ursächlich für diese traurige Entwicklung ist.

Stattdessen nennt Padoan folgende drei Ursachen: „Eine schwache weltweite Nachfrage, Druck durch die Haushaltskonsolidierung in vielen Ländern und die weiterhin bestehenden Fehlfunktionen der Finanzmärkte.

Beim Lesen dieses Unsinns wird mir fast übel. Dass Neokeynesianer immer und flächendeckend über eine zu schwache Nachfrage klagen, die sie mit staatlichen Konjunkturprogrammen beheben zu können glauben, liegt in der Natur des Keynesianismus – ganz gleich, wie hoch der Staatsanteil an der Wirtschaft inzwischen auch sein mag. Mehr ist aus Sicht der Keynesianer immer besser. Und wenn sich die Ergebnisse bestimmter Konjunkturprogramme nicht wie bei ihrer Verabschiedung angekündigt einstellen, dann liegt es immer daran, dass die Programme nicht groß genug gewesen sein sollen. Auf diese Weise immunisieren Neokeynesianer die von ihnen empfohlene Politik gegen eine kritische Prüfung.

Euphorie wie am Top des Jahres 2000

Liebe Leser,

die Aktienmärkte zeigen immer deutlichere Zeichen einer bevorstehenden Trendwende. Wie ich vorige Woche bereits beispielhaft anhand des japanischen Nikkei Index ausgeführt habe, bilden sich an den Aktienmärkten immer klarer erkennbare Topformationen. Gleichzeitig spiegeln die Sentimentindikatoren ein Ausmaß an Euphorie und Sorglosigkeit wider, wie es zuletzt an den wichtigen oberen Wendepunkten der Jahre 2007 und 2000 zu beobachten war.

Interessanterweise sind gerade erst zwei der aussagefähigsten Stimmungsindikatoren überhaupt auf Niveaus gestiegen, die nur ein einziges Mal übertroffen wurden: Im Jahr 2000, also am Höhepunkt der damaligen höchst spektakulären Aktienspekulationsblase. Details dazu können Sie der nächsten Ausgabe meines Börsenbriefs Krisensicher Investieren entnehmen, den Sie zurzeit noch 30 Tage lang kostenlos testen können.

Kippt jetzt Japans Börse?

Liebe Leser,

Ende 2012 beschloss die japanische Regierung ein extrem ambitioniertes Wirtschafts- und Konjunkturprogramm. Dabei sollten alle geld- und staatsschuldenpolitischen Mittel zum Einsatz gebracht werden, die zuvor bereits mehrmals erfolglos eingesetzt worden waren. Dieses Mal sollten sie aber in deutlich größerem Umfang zur Anwendung kommen als bisher. Man ging in Japan nämlich davon aus, dass die verschriebene Medizin zwar prinzipiell die richtige ist, die Dosierung aber zu niedrig gewählt war.

In klassischer neokeynesianischer Manier wollten die Verfechter der bisher schon gescheiterten wirtschaftspolitischen Maßnahmen einfach nicht wahrhaben, dass ihre Politik nicht funktioniert hat – und auch in Zukunft nicht funktionieren wird. Stattdessen behaupteten sie einfach, die Maßnahmen seien nur nicht ausreichend dimensioniert gewesen und forderten dreist einen Nachschlag. Unter dem Namen „Abenomics“ wurde dieser Nachschlag dann vollmundig in Form einer Drei-Säulen-Strategie gewährt. Es hat also ausdrücklich kein wirtschaftspolitisches Umdenken stattgefunden, keine Einsicht, kein Lernerfolg.