Marktkommentar-Archiv

In unserem Archiv finden Sie chronologisch geordnet alle bisher erschienenen Marktkommentare von Claus Vogt. Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame und gewinnbringende Lektüre.

Draghis massive Zinsmanipulationen können die Wirtschaft nicht beleben

Liebe Leser,

als aufmerksamer Investor ist es Ihnen nicht entgangen: Am gestrigen Donnerstag hat die Europäische Zentralbank (EZB) unter der Führung ihres Präsidenten Mario Draghi den Leitzins für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld von 0,15% auf 0,05% gesenkt. Auch der Zinssatz, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB normalerweise erhalten, wurde weiter herabgesetzt. Er liegt jetzt bei minus 0,2%, nachdem er bereits im Juni auf minus 0,1% festgesetzt wurde. Das bedeutet, dass die Banken nicht wie in normalen Zeiten üblich eine Verzinsung für ihr Geld erhalten, sondern ganz im Gegenteil eine Art Steuer auf ihre Zentralbankguthaben zahlen müssen. Das ist ein weitreichender Schritt, wenn man bedenkt, dass Sparen aufgrund seiner herausragenden volkswirtschaftlichen Bedeutung normalerweise belohnt werden muss.

Verantwortungsvolles Handeln statt rücksichtslose Geld- und Schuldenpolitik

Liebe Leser,

prinzipiell gilt in der Finanzindustrie das Credo „bull sells“. Es ist bewusst doppeldeutig gewählt: „bull“ bezieht sich also nicht nur auf bullish, sondern auch auf ein ganz anderes in den USA sehr gebräuchliches Wort, das mit bull beginnt.

Nur eine verschwindend geringe Zahl von zumeist unabhängigen Analysten wagt es, dieses Credo zu missachten und stattdessen warnende Töne anzustimmen, sobald die Risiken an den Finanzmärkten bestimmte Schwellenwerte überschritten haben. Unter rein verkäuferischen Gesichtspunkten ist diese Strategie natürlich falsch. In einem gesamtgesellschaftlichen Kontext hingegen richtig. Schließlich steht sie in der Tradition der vom Aussterben bedrohten Spezies des ehrbaren Kaufmanns, die bekanntlich dem Leitbild einer verantwortungsvollen Teilhabe am Wirtschaftsleben folgt.

Im Vergleich mit den Permabullen und Schönrednern richtet die selten gewordene Unterart von Analysten, die klar und deutlich vor offensichtlichen Risiken warnen, kaum Schaden an. Die Mahner wollen ihr Publikum ja nur vor dem Eingehen zu hoher Risiken und den damit normalerweise fast immer verbundenen hohen Verlusten bewahren. Der dadurch entstehende Schaden beschränkt sich auf entgangene Gewinne.

Das große Heer der Permabullen hingegen versteht es, selbst die allerhässlichste Braut noch schön zu reden, um sie an den Mann zu bringen. Soll der doch sehen, was er später davon hat. Neue Markt- oder Telekom-Aktionäre werden sich wahrscheinlich noch daran erinnern, was das bedeuten kann.

Alle fundamentalen Argumente sprechen für Gold

Liebe Leser,

der Verlauf des Goldpreises hat es den wenigen Goldbullen, die es derzeit gibt, in den vergangenen Wochen und Monaten nicht gerade leicht gemacht. Denn jedem positiven technischen Signal folgte die Enttäuschung auf dem Fuß. Diese ist aber niemals groß genug ausgefallen, um das insgesamt bullishe Bild einer mächtigen Bodenbildung zu zerstören. Und das macht Mut.

Aus fundamentaler Sicht ist die Sache ja ganz simpel: Mit Gold schützen Sie sich verlässlich vor den unausweichlichen Folgen der völlig verantwortungslosen laxen Geld- und Staatsschuldenpolitik. Diesen Schutz werden Sie in einer maßlos überschuldeten Welt früher oder später dringend brauchen, wenn Sie das Endspiel der Europäischen Währungsunion und des übergeordneten US-Dollar-Weltwährungssystems unbeschadet überstehen wollen. In der am Dienstag erscheinenden September-Ausgabe von Krisensicher Investieren widmen wir uns unter anderem den neusten spannenden Entwicklungen, mit denen China auf leisen Sohlen die Ablösung des US-Dollar basierten Weltwährungssystems vorantreibt.

Aber wie das so ist mit Anlageentscheidungen, die auf strategischen und fundamentalen Überlegungen basieren: Es kann durchaus länger dauern, bis sich das entsprechende Szenario entfaltet. Wie die Krisen der Vergangenheit immer wieder gezeigt haben, geht dann aber plötzlich alles sehr, sehr schnell. Zu schnell, um zu diesem Zeitpunkt noch angemessen reagieren zu können. Deshalb müssen Sie sich frühzeitig positionieren, um im entscheidenden Moment nicht unter die Räder zu kommen.

Die Zeichen stehen auf Baisse

Liebe Leser,

nach dem jüngsten Kursrutsch notiert der DAX jetzt auf demselben Niveau wie Ende vorigen Jahres. Trotz der extrem euphorischen Stimmung, die Anfang des Jahres herrschte und für Extremwerte bei den Sentimentindikatoren sorgte, stehen die DAX-Aktionäre jetzt mit leeren Händen da. Nun spricht alles dafür, dass die exzessive Hausse der vergangenen Jahre vorüber ist und die Blase platzt.

Wie Sie auf dem folgenden Chart sehen, zeigt der DAX inzwischen eine sehr ominöse charttechnische Formation. Der Kursverlauf der vergangenen Monate lässt sich als stattliche Topformation interpretieren, deren untere Begrenzungslinie bei 8.900 bis 9.000 Punkten verläuft. Aus charttechnischer Sicht ist das eine entscheidende Linie: Ihr Unterschreiten würde das Ende der zyklischen Hausse bestätigen und den Auftakt zu einer zyklischen Baisse geben.

Die sehr hohe fundamentale Bewertung, die erneuten Schwächesignale aus der Weltwirtschaft, insbesondere aus Europa inklusive Deutschland, die bereits erwähnten Sentimentindikatoren sowie die spekulativen Exzesse an den Rentenmärkten deuten darauf hin, dass auch diese Baisse wieder verheerende Ausmaße annehmen wird. Wir sehen sogar das Potenzial für eine erheblich schwerwiegendere Krise als die der Jahre 2008/09.