Themen - August 2026

Am Gipfel der Spekulationsblase

Liebe Leser,

die Party an der US-Börse scheint kein Ende zu nehmen. Die Stimmung bei den Wall Street-Banken, deren Gewinne im Aktienhandel im 2. Quartal 2026 neue Rekorde aufgestellt haben, ist ebenso euphorisch wie die Stimmung zahlreicher Privatanleger.

Der S&P 500 hat inzwischen neue Allzeithochs erreicht. Darauf waren die Leser meines Börsenbriefs Krisensicher Investieren bestens vorbereitet, da unsere regelmäßig besprochenen Kennzahlen und Prognosemodelle trotz zunehmender Warnsignale eine weitere Aufwärtswelle an den Aktienmärkten angekündigt hatten. Nachdem diese Vorhersage eingetroffen ist, betrachte ich die aktuelle Marktsituation jedoch mit wachsender Sorge.

Mehr Schein als Sein

Die Kursanstiege das S&P 500 werden durch den gehypten Technologiesektor getrieben. Die als Magnificent 7 bezeichneten Technologiekonzerne Alphabet, Microsoft, Nvidia, Tesla, Amazon, Meta und Apple sind im S&P 500 mit über 30% gewichtet. Der Technologiesektor war im zweiten Quartal 2026 der einzige Sektor, der den S&P 500 geschlagen hat. Bei vielen anderen Aktien, die im vergangenen Jahr noch zu den Top-Performern und Wall Street-Lieblingen zählten, fielen die Kurse bereits, teilweise sogar kräftig. So ist der Kurs der Netflix-Aktie seit ihrem Allzeithoch im Juli 2025 um ungefähr 45% eingebrochen, die Aktie des Cloud-Infrastruktur-Unternehmens Oracle um knapp 60%, und der Kurs des Bitcoins, den wir stets als die spekulative Spitze dieser riesigen Spekulationsblase bezeichnet haben, hat sich von seinem Hoch aus halbiert.

Der Anstieg der Indizes wird also durch den Tech-Sektor und die damit zusammenhängende massentaugliche Hoffnung auf schier grenzenlose Produktivitätssteigerungen durch künstliche Intelligenz getrieben. Doch auch in diesem Sektor sind erste Warnsignale erkennbar.

Klumpenrisiko KI

Der Fall des 25-jährigen Leopold Aschenbrenner, der als Wunderkind der amerikanischen KI-Branche bezeichnet wurde, ging in den vergangenen Tagen durch die Medien. Mit extrem riskanten Wetten auf das seiner Meinung nach fast unbegrenzte Wachstum des KI-Sektors brachte der junge Grüne den von ihm aufgelegten Hedgefonds in große Bedrängnis. Die kleine Korrektur der vergangenen Wochen reichte aus, um einen Großteil des von ihm verwalteten Vermögens zu vernichten. Hier ist der Name also Programm: Die Asche der Investoren wurde regelrecht verbrannt. Der Verlust soll sich auf 35 Mrd. Dollar belaufen.

Episoden wie diese sind charakteristisch für den Gipfel großer Spekulationsblasen. Es zeichnet sich zunehmend ab, dass die gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssteigerungen durch die als künstliche Intelligenz bezeichneten Technologien von euphorischen Marktteilnehmern stark überschätzt wurden.

Außerdem sind die Kursentwicklungen der beliebten Aktien des Tech-Sektors sehr stark voneinander abhängig. Ein Blick in das Getriebe der laufenden KI-Wette dieser großen Player offenbart, dass diese Unternehmen oft in einem Kunden- oder Investorenverhältnis zueinanderstehen. Rufen Sie sich die oben angeführte Gewichtung dieser Unternehmen von über 30% im S&P 500 in Erinnerung. Dann wird Ihnen klar, was eine Fehlkalkulation dieser Unternehmen bezüglich der Rentabilität ihrer Investitionen in künstliche Intelligenz an Auswirkungen haben kann. Das Risiko ist groß, und es ist auf wenige Technologieriesen konzentriert.

Zeichen eines Börsentops

Ein weiteres Charakteristikum des Höhepunkts einer Spekulationsblase ist die starke Zunahme von Aktienkäufen auf Kredit. Mit gut 1,5 Billionen Dollar haben diese Kredite in den USA sowohl absolut als auch im Verhältnis zum US-Bruttoinlandsprodukt ein neues Allzeithoch erreicht. Einen ähnlich starken Anstieg wie in den vergangenen Monaten hat diese Kennzahl kurz vor dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 erfahren und vor dem Crash des Jahres 2008. Noch hat diese Kennzahl kein Verkaufssignal gegeben. Die Leser unseres Börsenbriefs Krisensicher Investieren halten wir natürlich auf dem Laufenden und informieren sie, sobald das geschieht.

Aktienkäufe auf Kredit haben eine destabilisierende Wirkung auf die Finanzmärkte, da der Kreditnehmer bei Kursverlusten von seiner Bank gezwungen wird, Aktien zu verkaufen. So entsteht eine gefährliche Abwärtsspirale, indem Kursverluste zu Aktienverkäufen führen, die weitere Kursrückgänge bewirken.

Expertise statt Mainstream

In derart risikoreichen Zeiten ist es mir lieber, nicht mit auf dem Vulkan zu tanzen. Langfristiger Börsenerfolg liegt in der Kunst, mit klar definiertem Risikomanagement zu investieren und häufig antizyklisch zu agieren. Ganz in diesem Sinn machen wir für Sie Sektoren und Aktien ausfindig, die unterbewertet und nicht in aller Munde sind, sondern ignoriert und stark unterschätzt werden.

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Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Herzliche Grüße,

Ihr

P.S.: Über weitere Warnsignale, die auf den Beginn einer Aktienbaisse hindeuten, lesen Sie in der am Dienstag, den 25. August 2026 erscheinenden Monatsausgabe meines Börsenbriefs Krisensicher Investieren.