Themen - Juni 2026
Spekulationsexzesse im Technologie-Sektor
Ein Blick ins Getriebe
Schaut man sich an, welchen Aktien der S&P 500 und der NASDAQ Composite den Kursanstieg der vergangenen Wochen zu verdanken haben, so zeichnet sich ein ungewöhnlich klares Bild. Nur 35% der im S&P 500 enthaltenen Werte haben im Jahr 2026 den Index geschlagen. Von den 20 stärksten Performern im Index der letzten zwei Monate sind 18 Werte aus dem Technologie-Sektor. Hier manifestiert sich der KI-Hype. Die allermeisten dieser Unternehmen sind Halbleiter- bzw. Speicherproduzenten oder Infrastrukturwerte, die große KI-Rechenzentren versorgen oder in Zukunft versorgen sollen. Also Unternehmen, die von dem enormen Investitionsboom der Technologieriesen Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta profitieren.
Doch welche Werte sind das genau, welche die Aktienkurse
nach oben peitschen? Da ist zum Beispiel Sandisk, ein Unternehmen, das Speichertechnologien entwickelt und herstellt. Seit letztem Jahr ist Sandisk an der Börse. Das KGV beträgt astronomische 74 – in meinen Anfangsjahren als Börsianer galt eine Aktie bei einem KGV über 10 als überbewertet. Im Moment beträgt das KGV des S&P 500 31,8.
Ein weiterer Wert dieser unrühmlichen Liste extrem überbewerteter Aktien ist Teradyne. Das KGV dieses Chip-Prüfungsunternehmens liegt bei 81. Mein persönlicher Favorit ist aber das IT-Unternehmen Datadog, welches KI-Systemoptimierungen anbietet. Hier beträgt das KGV 584. Nennen Sie uns altmodisch, aber Wachstumswerte sind diese extrem überbewerteten Unternehmen, die in einer sehr zyklischen Industrie tätig sind, unserer Meinung nach nicht.
Die Uhr tickt
Wie lange diese Zustände absurder fundamentaler Bewertungen noch anhalten werden, wissen wir nicht. Aber die Zeit spielt unweigerlich gegen unvorsichtige KI-Investoren. Die gigantischen Summen, die große KI-Player bisher für fragwürdige Investitionen in unausgereifte und vor allem bisher unprofitable Produkt ausgegeben haben, sprengen jeden vernünftigen Rahmen.
Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft werden im Jahr 2026 zusammen rund 650 Mrd. Dollar in KI-Infrastruktur investieren nach etwa 410 Mrd. Dollar im Jahr 2025. Das entspricht einem Anstieg von rund 58 %. Ich möchte bei diesen Zahlen die Frage aufwerfen, die zurzeit kaum jemand hören möchte: Was passiert, wenn sich diese Projekte als Fehlinvestitionen erweisen? Fehlinvestitionen, die – wie
so oft – von einer unseriösen expansiven Geldpolitik angetrieben wurden. Die Antwort auf diese Frage werden wir im Lauf der nächsten Jahre erhalten. Bisher sind nur die Gewinne der KI-Zulieferer gestiegen, bei denen die gewaltigen Investitionssummen landen, und nicht die Gewinne der Unternehmen, die diese Investitionen tätigen.
Versöhnliche Worte am Schluss
Um eines klarzustellen: Wir sind grundsätzlich keine Fortschrittsskeptiker und auch keine Gegner der Sprachmodelle, die als künstliche Intelligenz vermarktet werden. Auch wenn die Technologie vielversprechend ist, so ist noch lange nicht entschieden, welche Unternehmen mit welchen Produkten und Anwendungen als Gewinner aus diesem Rennen hervorgehen werden und sich langfristig behaupten können.
Die damals neue Technologie namens Internet, die der Protagonist der Dot-Com-Blase war, die im Jahre 2000 zu Ende ging, erwies sich tatsächlich als eine bahnbrechende Erfindung. Die meisten der heutigen Schwergewichte des Sektors fanden sich jedoch nicht unter den meistgehypten Aktien dieser Zeit. Und selbst die Amazon-Aktie, die letztlich zu den großen
Gewinnern des Internets gehörte, stürzte von ihrem Hoch im Dezember 1999 bis zu ihrem Tief im Oktober 2001 um 95% ab.
In unserem Börsenbrief Krisensicher Investieren werden wir das weitere Geschehen rund um diese riesige Spekulationsblase sehr genau verfolgen und unsere Leser informieren, sobald die weitere Entwicklung das Ende dieser Party wahrscheinlich macht. Darüber hinaus liegt unser Schwerpunkt auf Sektoren und Aktien, die eine vernünftige Bewertung aufweisen und für konservative Anleger geeignet sind.
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Ich wünsche Ihnen eine schöne Restwoche.
Herzliche Grüße,
Ihr
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