Von klassischer Musik zu Geldsystem und Krise

Wie sähe wohl der Musikbetrieb der Klassik aus, wenn der Staat ihn nicht massiv subventionieren würde? Diese Frage stellte ich mir am Karfreitag, als ich für bescheidenes Geld ein hochkarätiges Konzert in einem der Berliner Konzerthäuser genoss. Und wie würde sich das Verkehrswesen heute präsentieren, wenn es sich - unbeeinflusst von staatlichen Eingriffen - rein marktwirtschaftlichen Regeln folgend entwickelt hätte? Wie das Bildungssystem? Oder das Gesundheitswesen?

Die Antworten auf diese Fragen kenne ich leider nicht. Zu komplex sind die genannten Systeme. Zu unberechenbar die Reaktionen der Menschen auf neue Herausforderungen. Und gänzlich unvorhersehbar sind schließlich die Ergebnisse des menschlichen Einfallsreichtums - wenn er sich denn ohne staatliches Gängelband entfalten darf.

Ein Geldwesen ohne Staat ist aber leicht vorstellbar ...

Etwas anders stellt sich die Sache allerdings beim Geldwesen dar, einem weiteren Bereich, den es in seiner heutigen Form nur dank massiver staatlicher Vorschriften und Eingriffe gibt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würde es ohne das staatliche Geldmonopol kein ungedecktes Papiergeld geben, sondern ein auf der Sicherheit von Edelmetallen basierendes Geld.

Es würde auch kein Teilreservebanksystem geben - so nennt man ein System, in dem es Banken erlaubt ist, ein Vielfaches ihrer Einlagen auszuleihen. Stattdessen gäbe es Banken, die immer nur so viel Kredit vergeben würden, wie sie tatsächlich an Geld zur Verfügung haben. Denn die anderen würden früher oder später Pleite gehen.

Zentralbanken gäbe es in dieser Welt übrigens auch nicht. Denn als „lender of last resort" - das heißt als dank der Gelddruckmaschine stets liquider Kreditgeber in Bankenkrisen - würde man sie gar nicht benötigen, weil „systemrelevante Bankenkrisen" ohne Teilreservesystem nicht entstehen können. Und die Möglichkeit der nahezu beliebigen Manipulation der Zinssätze hätten sie ohne eine Gelddruckmaschine selbstverständlich nicht.

... und würde das Ende des Wirtschaftszyklus' bedeuten

Die großen Denker der Österreichischen Schule der Ökonomie sind sogar zu dem Ergebnis gekommen, dass es in einem Geldsystem gedeckter Währungen, das keine Teilreservedeckung und keine Zentralbanken kennt, auch den Wirtschaftszyklus nicht mehr geben würde. Und sie haben sehr gute Argumente für diese These:

Das große Auf und Ab der Wirtschaft, das Hin und Her von Boom und Rezession ist ihrer Ansicht nach die Folge systematischer Manipulationen der Zinssätze. Diese Manipulationen stören im Zeitablauf die Koordination von Angebot und Nachfrage. Sie provozieren, ja erzwingen Fehlinvestitionen und Fehlkonsum, die auf Annahmen beruhen, die sich als falsch erweisen müssen, da sie die Folge künstlich niedrig gehaltener Zinsen sind. Die Zinsmanipulationen führen also zwingend zu einer instabilen Wirtschaftsstruktur, die sich - früher oder später - als Krise bemerkbar macht.

Je größer die Zinsmanipulation ist und je länger sie anhält, desto mehr Fehlentscheidungen werden provoziert, desto fragiler werden die Wirtschaftsstruktur und damit auch die unvermeidliche Krise. Denn Letztere stellt lediglich die Bereinigungsphase dar, in der die vorangegangenen Fehlentwicklungen und Ungleichgewichte zunächst offensichtlich und danach korrigiert werden.

Bernanke, Draghi & Co. bereiten eine gewaltige Krise vor

Aus dieser Perspektive betrachtet wird klar, dass die zeitgenössischen Zentralbankbürokraten mit ihrer inzwischen schon seit mehreren Jahren verfolgten Nullzinspolitik dabei sind, eine gewaltige Krise vorzubereiten. Nachdem sie bereits während der Rezessionen der Jahre 2001 und 2008/09 dafür gesorgt haben, dass die damals bestehenden Ungleichgewichte nicht bereinigt werden konnten, tun sie seither alles in ihrer Macht Stehende, um neue, noch größere Fehlentwicklungen und Ungleichgewichte zu befördern.

Kurzfristige US-Zinsen (Effective Federal Funds Rate), 1956 - 2013
Zinsmanipulationen schaffen mehr Probleme als sie lösen.
Quelle: Quelle: St. Louis Fed

Gut gemeint führt leider nicht automatisch zu guten Ergebnissen. Diese Lektion werden Bernanke, Draghi & Co. in den nächsten Jahren erhalten. Wenn es nur das wäre, müsste ich es nicht bedauern. Aber leider betrifft diese Lektion nicht nur, ja nicht einmal überwiegend die Herren der Gelddruckmaschine. Eine Krise des durch diese kurzsichtige Politik heraufbeschworenen Ausmaßes wird leider für sehr große Teile der Bevölkerung überaus schmerzhaft ausfallen – vermutlich sehr viel schmerzhafter als für die Täter innerhalb der Zentralbanken.

Gut gemeint führt leider nicht automatisch zu guten Ergebnissen. Diese Lektion werden Bernanke, Draghi & Co. in den nächsten Jahren erhalten. Wenn es nur das wäre, müsste ich es nicht bedauern. Aber leider betrifft diese Lektion nicht nur, ja nicht einmal überwiegend die Herren der Gelddruckmaschine. Eine Krise des durch diese kurzsichtige Politik heraufbeschworenen Ausmaßes wird leider für sehr große Teile der Bevölkerung überaus schmerzhaft ausfallen – vermutlich sehr viel schmerzhafter als für die Täter innerhalb der Zentralbanken.

Bank of Japan übernimmt erneut die Führungsrolle

Das erste Land, in dem „Quantitative Easing" (QE) umgesetzt wurde, ist Japan. Der wirtschaftliche Niedergang Japans und der Verfall der Immobilienpreise und der Aktienkurse konnte damit aber nicht aufgehalten werden. Den in jüngster Zeit so gerne unterstellten Mechanismus zwischen QE und haussierenden Börsen gibt es also offensichtlich nicht. Und die japanischen Erfahrungen stützen auch die in den USA und in Europa grassierende Hoffnung auf einen durch QE herbeigezauberten Wirtschaftsaufschwung nicht. Diese Erkenntnisse halten aber weder die europäischen und amerikanischen Zentralbankbürokraten davon ab, an dieser fragwürdigen Politik festzuhalten, noch die japanischen.

Zinsen 10-jähriger japanischer Staatsanleihen, 1967 - 2013
Die massiven Zinsmanipulationen der vergangenen 20 Jahre haben in Japan nicht die erhofften Ergebnissen gezeigt.
Quelle: Quelle: St. Louis Fed

Erst vorgestern haben Letztere ihren jüngsten Beschluss bekanntgegeben, ihr bisheriges QE-Programm in etwa zu verdoppeln. Ab sofort werden sie Monat für Monat für rund 75 Mrd. $ (58 Mrd. €) japanische Anleihen verschiedenster Laufzeiten kaufen und mit Geld bezahlen, das sie zu diesem Zweck neu schaffen. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung ist dieses Programm mehr als doppelt so groß wie das der amerikanischen Fed. Erklärtes Ziel ist es, innerhalb von zwei Jahren eine offizielle Inflationsrate von 2% zu erzeugen.

Die Zinsen 10-jähriger japanischer Staatsanleihen fielen nach dieser Ankündigung auf ein Allzeittief von 1,125%. Absurder geht es wohl kaum. Die Zentralbank druckt in einem nie dagewesenen Ausmaß Geld, um Inflation zu erzeugen. Und die Kurse festverzinslicher Wertpapiere, die - wie wir alle wissen - zu den großen Inflationsverlierern gehören, steigen auf Rekordniveaus. Wahrlich verrückte Zeiten.

Erst vorgestern haben Letztere ihren jüngsten Beschluss bekanntgegeben, ihr bisheriges QE-Programm in etwa zu verdoppeln. Ab sofort werden sie Monat für Monat für rund 75 Mrd. $ (58 Mrd. €) japanische Anleihen verschiedenster Laufzeiten kaufen und mit Geld bezahlen, das sie zu diesem Zweck neu schaffen. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung ist dieses Programm mehr als doppelt so groß wie das der amerikanischen Fed. Erklärtes Ziel ist es, innerhalb von zwei Jahren eine offizielle Inflationsrate von 2% zu erzeugen.

Die Zinsen 10-jähriger japanischer Staatsanleihen fielen nach dieser Ankündigung auf ein Allzeittief von 1,125%. Absurder geht es wohl kaum. Die Zentralbank druckt in einem nie dagewesenen Ausmaß Geld, um Inflation zu erzeugen. Und die Kurse festverzinslicher Wertpapiere, die - wie wir alle wissen - zu den großen Inflationsverlierern gehören, steigen auf Rekordniveaus. Wahrlich verrückte Zeiten.

Monti und die große Mehrheit der Italiener sind sich endlich einig

Italiens scheidender Ministerpräsident Mario Monti wird in der Presse mit der ermutigenden Aussage zitiert, er könne es kaum erwarten, sein Amt zu räumen. Sie erinnern sich wahrscheinlich, dass der Ex-Goldman Sachs-Mitarbeiter und Ex-EU-Kommissar Monti nicht etwa vom italienischen Volk gewählt wurde, sondern als überraschender Seiteneinsteiger das höchste Regierungsamt Italiens übernahm, legitimiert durch einen Prozess, in dem der Wähler keine Rolle spielte.

Als ebendieser nicht-gewählte Monti sich kürzlich doch dem Wähler stellen musste, kam er gerade einmal auf 10% der Stimmen. Offenbar kann die überwältigende Mehrheit der Italiener es ebenfalls kaum erwarten, dass Monti sein Amt räumt. Damit herrscht immerhin in diesem nicht ganz unwichtigen Punkt Einigkeit zwischen dem Volk und seinem nicht-gewählten Präsidenten.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Bis nächsten Freitag

Herzliche Grüße,

Ihr

P.S.: Was in Japan nicht funktioniert hat, wird auch in den USA und in Europa nicht zu den erhofften Ergebnissen führen.