US-Frühindikator fällt: Gut für Gold, schlecht für Aktien

Der Blick in die Zukunft ist trübe

Liebe Leser,

ökonomische Frühindikatoren ermöglichen Ihnen einen gewissen Blick in die Zukunft. Ihr wichtigster Zweck besteht darin, frühzeitig auf einen drohenden Abschwung hinzuweisen. Dass die Konjunktur zyklisch ist, weiß eigentlich jeder. Es wird nur selten darüber geredet. Deshalb scheint jede Rezession als große Überraschung über die Welt hereinzubrechen, scheinbar unvorhersehbar.

Tatsächlich gibt es nur ganz wenige Ökonomen, die es wagen, einen Abschwung zu prognostizieren. Dafür gibt es einen guten Grund: Es ist ihrer Karriere nicht förderlich. Banken und Fondsgesellschaften, Politiker und Zentralbanken, sie alle haben ein Interesse daran, immer und ausnahmslos gute Zeiten vorherzusagen. Wer hier als Volkswirt ein Auskommen haben möchte, weiß das natürlich und verhält sich entsprechend.

Minus 3,7 Punkte: Kurz vor Rezessionswarnung

Die Analysten des unabhängigen New Yorker Economic Cycle Research Institute (ECRI) ficht das nicht an. Sie haben es sich seit den 1960er Jahren zur Aufgabe gemacht, den Wirtschaftszyklus zu analysieren und auf obere und untere Wendepunkte hinzuweisen. Dabei waren sie überaus erfolgreich.

Der vom ECRI veröffentlichte Frühindikator der US-Wirtschaft ist seit Anfang des Jahres von plus 12,1 auf minus 3,7 Punkte gefallen. Damit ist er nicht mehr weit entfernt von einer klaren Rezessionswarnung. Ich werde die weitere Entwicklung dieser Kennzahl genauestens verfolgen. Denn Rezessionen gehen stets mit schweren Aktienbaissen einher und häufig auch mit echten Krisen wie zuletzt im Jahr 2008.

Topformationen der US-Indizes deuten eine Baisse an

Passend zur Entwicklung dieses Frühindikators zeigen die US-Aktienmärkte inzwischen große potenzielle Topformationen. Aufgrund zahlreicher fundamentaler und technischer Indikatoren rechne ich nun damit, dass der Ausbruch aus diesen Formationen bald erfolgen wird. Vor dem Hintergrund des oben genannten Frühindikators würde dieser Ausbruch nicht nur den Beginn einer Aktienbaisse bestätigen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit einer Rezession deutlich erhöhen.

Kurzfristig mag es im Dezember noch zu einer Jahresendrally kommen. Zumal US-Notenbank-Chef Jerome Powell am Donnerstag angedeutet hat, dass er die US-Zinsen weniger schnell bzw. weniger stark anheben werde als bisher signalisiert. Ob ihn der US-Präsident zu dieser Änderung bewegt hat oder der Rückgang der Frühindikatoren, werden wir wohl niemals erfahren.

Die Finanzgeschichte lehrt aber, dass die Zentralbank weder eine Rezession noch eine Aktienbaisse aufhalten kann, nachdem der Wendepunkt überschritten wurde. Deshalb werde ich eine Jahresendrally an den Aktienmärkten dazu nutzen, den Lesern meines Börsenbriefs Krisensicher Investieren weitere Short-Positionen zu empfehlen, mit denen sie bei fallenden Aktienkursen Geld verdienen.

Bodenbildung bei Gold nahezu beendet

Spiegelbildlich zu den Aktienmärkten zeigen sich die Edelmetalle. Während bei den Aktien alles auf eine schwere Baisse hindeutet, kündigt sich bei den Edelmetallen eine große Hausse an.

Wie Sie auf dem folgenden Chart sehen, zeigt der Kursverlauf des Goldes eine klare Bodenformation in Form eines bullishen Dreiecks an. Im größeren Bild ist dieses Dreieck nur ein kleiner Teil einer sehr großen Bodenformation, die eine entsprechend starke Hausse signalisiert. Die übrigen technischen Indikatoren bestätigen diese bullishen Aussichten.

Goldpreis pro Unze in US-$, 2017 bis 2018
Das eingezeichnete aufsteigende Dreieck ist eine prinzipiell bullishe Chartformation.
Quelle: StockCharts.com

In den vergangenen zehn Jahren hat die weltweite Verschuldung noch einmal dramatisch zugenommen. Entsprechend groß sind die Risiken für das Finanzsystem. In einem Abschwung werden diese Risiken auch für die Allgemeinheit wieder sichtbar. Dann wird es für den Goldpreis kein Halten mehr geben.

Die Wirtschaft und die Finanzmärkte befinden sich an einem entscheidenden Punkt. Jetzt ist Ihre volle Aufmerksamkeit als Anleger gefragt. Mit meinem Börsenbrief Krisensicher Investieren sind Sie bestens informiert und mit den richtigen Investments vorbereitet – Hier 30 Tage kostenlos testen.

Bitcoin & Co.: IWF-Chefin Lagarde lässt die Katze aus dem Sack

Weniger als drei Wochen nach Erscheinen meines neuen Buches „Bitcoin & Co. – Finte oder Neugestaltung des Geldsystems?“ hat IWF-Chefin Lagarde in einer Rede in Singapur die schlimmsten Befürchtungen bestätigt, die Roland Leuschel und ich in diesem Buch formuliert und begründet haben: Der Staat beabsichtigt, Kryptowährungen für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Er wird sein Geldmonopol mit allen Mitteln verteidigen und versuchen, mit Hilfe von Kryptowährungen auch die letzten Bastionen bürgerlicher Freiheiten zu schleifen. Seien Sie gewarnt. Es geht um Ihren Wohlstand und Ihre Freiheit.

Details lesen Sie auf knapp hundert Seiten in Roland Leuschels und meinem neuen kleinen Buch „Bitcoin & Co. – Was Sie über Geld, Gold und Kryptowährungen wissen sollten“. Erhältlich im Buchhandel oder auf unserer Homepage – aber ganz bewusst nicht bei Amazon.


Ich wünsche Ihnen einen schönen ersten Advent,

Herzliche Grüße,

Ihr

P.S.: Es gibt auch Aktien, die in diesem Umfeld steigen. Konkrete Kaufempfehlungen lesen Sie in meinem Börsenbrief KI - Krisensicher Investieren.

Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?

Regionale Wirtschaftsförderung: Wie von einem 40-Millionen-Projekt nur eine leere Fabrikhalle übrig blieb

Wo sind sie denn nur hingekommen, meine Steuergroschen?
Autor: Gotthilf Steuerzahler

Liebe Leserinnen und Leser,

ökonomische Strukturen unterliegen einem fortlaufenden Wandel. Für die meisten Regionen in Deutschland stellt der Strukturwandel der Wirtschaft kein größeres Problem dar. Oftmals tritt er jedoch abrupt und massiv sowie regional konzentriert auf. Die betroffenen Regionen sind dann - so jedenfalls die Sicht der Wirtschaftspolitiker - mit dem Aufbau neuer Wirtschaftsstrukturen überfordert und drohen in eine Abwärtsspirale aus Wachstumsschwäche, knappen kommunalen Finanzen und demografischen Problemen zu geraten. Um hier gegenzusteuern, hat die Politik in Deutschland das Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung entwickelt.

Die regionale Wirtschaftsförderung dient dem Ziel, in Regionen mit geringer Wirtschaftskraft und hoher Arbeitslosigkeit eine positive Wirtschaftsentwicklung anzustoßen. Die Fördermaßnahmen werden von Bund und Ländern zu gleichen Teilen finanziert. Gefördert wird durch Investitionszuschüsse für Unternehmen, die sich in einer strukturschwachen Region ansiedeln oder dort Investitionen in größerem Umfang durchführen und dabei Arbeitsplätze erhalten oder neue schaffen wollen.

Die Umsetzung der Förderung ist Sache der Bundesländer, wobei das jeweilige Landeswirtschaftsministerium die zu fördernden Projekte in seiner Region auswählt. Die Abwicklung der Fördermaßnahmen erfolgt im Regelfall durch die Investitionsbank des betreffenden Bundeslandes.

Die Fördergelder müssen rausgehauen werden

Die Wirtschaftsministerien und die ihnen zuarbeitenden Investitionsbanken stehen regelmäßig unter dem Druck, die zur Verfügung stehenden Fördermillionen irgendwie unterzubringen. Denn bereitstehende Fördermittel müssen nach Auffassung der Politik in jedem Fall ausgegeben werden, sie dürfen am Ende der Förderperiode nicht übrig bleiben. Vielfach wird bereits das Ausreichen von Fördergeldern als Erfolg angesehen, während auf die durch die Förderung erzielten Effekte weit weniger Wert gelegt wird. Angesichts dieser Erwartungshaltung ist die Versuchung groß, bei der Prüfung der Fördervoraussetzungen einen großzügigen Maßstab anzulegen, wie der nachstehende Fall aus einem strukturschwachen Bundesland veranschaulicht.

Die Antragsunterlagen waren unzureichend

Einem neu gegründeten Unternehmen sollten Zuschüsse für die Errichtung einer Betriebsstätte bereitgestellt werden. Das Unternehmen plante, ein völlig neues Produkt herzustellen, das auf einer Erfindung basierte. Bei dem Projekt ging es um ein Investitionsvolumen von mehr als 46 Millionen Euro. Im Jahr 2015 bewilligte die Investitionsbank hierfür eine Fördersumme von über 7 Millionen Euro. Bis Mitte 2017 wurden allerdings von diesen 7 Millionen Euro lediglich 130.000 Euro abgerufen. Daraufhin wurden das Zustandekommen und die Abwicklung der Förderung überprüft. Die Förderakte enthielt nicht die im Antragsformular geforderte Projektbeschreibung, in der u. a. auf Zukunftsaussichten und Absatzperspektiven des Unternehmens eingegangen werden soll. Ebenfalls nicht beigefügt waren ein Businessplan und eine nähere Beschreibung des geplanten Produktportfolios. Dies war ungewöhnlich, zumal es sich bei dem geförderten Unternehmen um eine Existenzgründung ohne Geschäftshistorie handelte.

Die Gesamtfinanzierung des Projekts war nicht gesichert

Auch die Gesamtfinanzierung des Projekts warf Fragen auf. Als Finanzier wurde ein osteuropäischer Investor genannt, der an der Mutterholding des geförderten Unternehmens beteiligt war. Allerdings legte das Unternehmen keine belastbaren und von Banken bestätigten Finanzierungszusagen vor. Der Antrag enthielt lediglich die Bescheinigung eines Steuerbüros, dass nach mündlicher Versicherung ein dem Investor zuzurechnendes Unternehmen ein Darlehen von 1,96 Millionen Euro für Investitionen ins Anlagevermögen bereitstellen werde und dass der Investor solvent sei. Finanzierungszusagen über die gesamten rund 46 Millionen Euro lagen somit nicht vor.

Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens wurde nie aufgenommen

Nach der Bewilligung durch die Investitionsbank nahm das Projekt nicht den erhofften Verlauf. Den Förderakten war zu entnehmen, dass für Maschinenkäufe in Höhe von rund 800.000 Euro Fördermittel von 130.000 Euro ausgezahlt wurden. Im weiteren Verlauf teilte das Unternehmen dann der Investitionsbank mit, dass es nicht gelungen sei, die angedachte Technologie produktionstechnisch umzusetzen. Die Investitionsbank reduzierte daraufhin die Förderung auf die bereits ausgezahlten 130.000 Euro, von einer Rückforderung der ausgezahlten Mittel sah sie allerdings ab. Bei der späteren Vor-Ort-Prüfung wurde eine nahezu leere Fabrikhalle ohne erkennbaren Geschäftsbetrieb vorgefunden. Vertreter des Unternehmens bestätigten auf Nachfrage, dass in der Betriebsstätte zu keinem Zeitpunkt der Produktivbetrieb aufgenommen worden sei.

Zukünftig soll genauer hingeschaut werden

Nachdem das Ergebnis der Vor-Ort-Prüfung vorlag, hat die Investitionsbank die bereits ausgezahlten Fördermittel von 130.000 Euro schließlich zurückgefordert. Das Wirtschaftsministerium des betreffenden Bundeslandes will künftig sicherstellen, dass in allen Fällen der einzelbetrieblichen Investitionsförderung aussagekräftige und prüffähige Projektbeschreibungen sowie ein belastbarer Nachweis über die Gesamtfinanzierung vorliegen. Die Investitionsbank will zukünftig Hinweisen auf nicht zweckentsprechende Mittelverwendung proaktiv durch anlassbezogene Vor-Ort-Prüfungen nachgehen. Wir können nur hoffen, liebe Leserinnen und Leser, dass diese Verbesserungen auch in die Tat umgesetzt werden und zukünftig genauer hingeschaut wird, sagt verdrossen

Ihr

Gotthilf Steuerzahler