Weiterer Ölpreisanstieg zeichnet sich ab - und Wahlprogramme kurz und knackig- 13.09.2013

Weiterer Ölpreisanstieg zeichnet sich ab - und Wahlprogramme kurz und knackig

Der mit Abstand wichtigste Preis für die Weltwirtschaft ist der Preis für Geld und Kapital – also der Zins. Den deutlichen Zinsanstieg seit Mai dieses Jahres habe ich bereits mehrmals thematisiert, weil ich es für sehr wichtig halte, wenn sich der bedeutendste Einflussfaktor des Wirtschaftsgeschehens in kurzer Zeit relativ stark verschlechtert. Schließlich sind steigende Zinsen Gift für die Börse und eine Belastung für die Wirtschaft - in besonderem Maße natürlich für hoch verschuldete Volkwirtschaften wie es fast alle Industrienationen - inklusive Deutschland - inzwischen sind.

Insofern kann es nicht verwundern, dass bereits erste realwirtschaftliche Bremsspuren sichtbar werden, vor allem natürlich in den besonders zinssensitiven Bereichen. Beispielsweise ist die Anzahl der Hypothekenkreditanträge in den USA in den vergangenen drei Monaten um mehr als 50% zurückgegangen. Sie befindet sich jetzt auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2008. Refinanzierungen sind sogar um 70% eingebrochen – sie rechnen sich auf dem höheren Zinsniveau einfach nicht mehr. Und die bescheidene Erholung im Hausbausektor hat ebenfalls einen Dämpfer erhalten, der sich wahrscheinlich als der obere Wendepunkt in diesem künstlich angefachten und in die Länge gezogenen Konjunkturzyklus erweisen wird. Der starke Rückgang der Hypothekenkreditanträge spricht jedenfalls dafür.

Klare charttechnische Kaufsignale für den Rohölpreis

Der nach dem Zinssatz zweitwichtigste Preis für die Weltwirtschaft ist sicherlich der Rohölpreis. Schließlich ist Energie in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft ein bedeutender Faktor: in der Produktion, im Transportwesen und natürlich auch für die privaten Haushalte. Auch dieser zweitwichtigste Preis ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen – um mehr als 20% seit Mitte April. Und die Charttechnik gibt Signale, die auf weitere Preissteigerungen hindeuten.

Der folgende Monatschart zeigt Ihnen den Kursverlauf der Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) seit 1998. Wie Sie sehen, ist der Ölpreis im Juli aus einer rund zweijährigen Dreiecksformation nach oben ausgebrochen. Diese Konstellation signalisiert ein Kursziel von mehr als 150$ pro Barrel.

Bestätigt wird dieses Signal durch den im unteren Bereich des Charts dargestellten Preis-Momentum-Oszillator (PMO) auf Monatsbasis der gerade ein Kaufsignal gegeben hat. Es handelt sich erst um das sechste Signal dieses Indikators in den vergangenen 15 Jahren. Die hohe Qualität dieser Signale können Sie auf dem Chart erkennen. Ich halte die Wahrscheinlichkeit für hoch, dass wir uns am Beginn eines mehrmonatigen Ölpreisanstiegs befinden.

Rohölpreis (WTI) pro Barrel in $, Monatschart, Momentum-Oszillator, 1998 bis 2013
Der Ausbruch aus der Dreiecksformation wird durch ein Kaufsignal des PMO bestätigt.
Quelle: Quelle: www. decisionpoint.com

Kann der Ölpreis trotz schwacher Wirtschaft steigen?

Aber spricht die schwache und sehr fragile Wirtschaftslage nicht gegen steigende Ölpreise? Nicht unbedingt. Schauen Sie sich als Beleg das PMO-Signal an, das Ende 2007 gegeben wurde. Damals befand sich die Weltwirtschaft auf direktem Weg in die schwerste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise. Dennoch stieg der Ölpreis noch bis Mitte 2008 – sogar um beeindruckende 50%.

In den ersten Monaten der Rezession verstärkte der hohe Ölpreis den wirtschaftlichen Abschwung. Erst als die Rezession, die bereits im Dezember 2007 begonnen hatte, deutlich Fahrt aufnahm, kam auch der Ölpreis unter Druck.

Auch Charlie Munger prognostiziert höhere Ölpreise ...

Ich bin absolut sicher, dass das Ölangebot unglaublich knapp werden wird und der Ölpreis sehr hoch.“ Das sagt Charlie Munger, der langjährige Geschäftspartner von Warren Buffett bei Berkshire Hathaway. Buffet und Munger sind ausgesprochene Anhänger der Fundamentalanalyse und dafür bekannt, sehr langfristig zu denken – trotz ihres hohen Alters. Deshalb gehe ich davon aus, dass Munger mit seiner Prognose nicht auf die kommenden Monate abstellt, sondern einen vermutlich sehr viel längeren Zeithorizont im Auge hat.

Insofern ist seine sehr bullishe Ölpreisprognose natürlich nicht gerade originell. Ich selbst habe Anfang des Jahrtausends eine langfristige Rohstoff- und Goldhausse vorhergesagt und diese Prognose seither immer wieder bestärkt. Aber dass Mungers These nicht neu ist, macht sie natürlich nicht wertlos. Ganz im Gegenteil.

Langfristige Trends zeichnen sich ja auch dadurch aus, dass sie von zyklischen Korrekturen unterbrochen und dann auch in Zweifel gezogen werden. Dass der extrem erfolgreiche Anleger Munger ebenso wie ich der Meinung ist, dass die langfristige Rohstoffhausse weitergehen wird, bestärkt mich in meiner eigenen Prognose.

… und denkt dabei sehr strategisch – oder imperialistisch

Inzwischen sind Zweifel an einer Fortsetzung der langfristigen Ölhausse weit verbreitet. Der technische Fortschritt bei der Ausbeutung von Schiefergas wird vor allem in den USA als großer Durchbruch gefeiert. Es gibt Prognosen, dass das Land in einigen Jahren in Bezug auf Energie autark sein wird und kein Rohöl mehr importieren muss.

Erstaunlicherweise wird die Diskussion über die Bedeutung des Schiefergases sehr kontrovers geführt. Welche Seite recht bekommen wird, vermag ich nicht zu sagen. Dass der Ölpreis aber trotz der Schiefergasfunde in den vergangenen beiden Jahren nicht gefallen ist, spricht wohl gegen eine allzu optimistische Sichtweise.

Wie auch immer: Munger sieht die Sache ohnehin ganz anders, nämlich aus US-strategischer beziehungsweise -imperialistischer Sicht:

„Importiertes Öl ist nicht dein Feind, sondern dein Freund. (…) Verantwortungsvolle Bürger mit einer konfuzianischen Ethik sind bereit jetzt zu leiden, um damit dafür zu sorgen, dass sie und ihre Familien und ihre Landsleute profitieren können. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten wir sehr zurückhaltend sein bei der Ölgewinnung im eigenen Land und uns nichts daraus machen, wenn wir scheinbar ruinöse Preise für ausländisches Öl bezahlen. (…) Nicht gefördertes Öl ist ein Staatsschatz.“

Mungers wie auch immer geartete Ethik reicht offenbar nicht über die Grenzen der USA hinaus. In meinen Ohren klingen seine Ausführungen eher nach Imperialismus als nach Konfuzianismus. Aber im Land des Friedensnobelpreisträgers und Großmeisters der Staatssicherheit Barack Obama nimmt man es wohl auch mit diesen Dingen nicht mehr so genau. Und ob Mungers Überlegungen auch für die Gestaltung der US-Politik eine Rolle spielen, weiß ich nicht. Wundern würde es mich allerdings nicht, denn Berkshire Hathaway verfügt über ähnlich gute Kontakte zur US-Regierung wie Goldman Sachs und andere Großbanken.

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Wochenende.

Herzliche Grüße,

Ihr

P.S.: Unter www.clausvogt.com/Gastbeiträge finden Sie passend zur Vorbereitung auf die Bundestagswahl den Beitrag "Wahlprogramme kurz und knackig" des Wirtschaftsphilosophen Prof. Dr. Gerd Habermann. Die Lektüre macht es deutlich: Alle im Bundestag vertrenenen Parteien wollen nur das eine: Ihr Geld!

Was machen eigentlich … meine Steuergroschen?

 Die Bayreuther Festspiele und das Geld der Steuerzahler

Wo sind sie denn nur hingekommen, meine Steuergroschen?
Autor: Gotthilf Steuerzahler

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn von den Festspielen in Bayreuth die Rede ist, denke ich an Opern und festlich gekleidete Prominente, welche die Aufmerksamkeit der Medien genießen. Was haben wir Normalbürger, die wir uns vielleicht gar nicht für Opernaufführungen oder andere Ereignisse der Hochkultur interessieren, mit diesem alljährlichen Spektakel zu tun? Nun, in unserer Eigenschaft als Steuerzahler sind auch wir bei den Bayreuther Festspielen Jahr für Jahr dabei und leisten unseren finanziellen Beitrag, ob uns das gefällt oder nicht!

Wie kann das sein, werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, vielleicht fragen, dass derart berühmte Festspiele sich finanziell nicht tragen, dass sie ohne staatliche Unterstützung nicht auskommen? Darauf kann ich nur antworten, dass es im Bereich der Hochkultur in Deutschland kaum eine Einrichtung gibt, die nicht am Tropf der staatlichen Förderung hängt. Bund, Länder und Gemeinden geben jährlich für „Kultur“ – von den Kosten der Archivverwaltung über den Denkmalschutz bis zur Förderung von Musik und Tanz - annähernd 10 Milliarden Euro aus. Das sind pro Kopf der Bevölkerung knapp 120 Euro. Von diesen 10 Milliarden Euro geht rund die Hälfte an die Einrichtungen der Hochkultur, also an Theater, Opernhäuser, Orchester und Museen.

Die Gründe für die Subventionierung dieser Einrichtungen sind häufig kaum nachvollziehbar oder verlieren sich im Dunkel der Geschichte („war schon immer so“). Fest steht nur eins: Wer es geschafft hat, in den Kreis der Geförderten aufgenommen zu werden, der bleibt auch in der Förderung! Die Lieblingsvokabel der Kulturpolitiker und -lobbyisten ist „unverzichtbar“, sagen Kritiker dieser Entwicklung. Alle geförderten Einrichtungen seien angeblich unverzichtbar, nirgends könnten die Zuschüsse zurückgefahren werden. Im Gegenteil, überall werde noch mehr staatliche Förderung benötigt. Das sehe ich persönlich durchaus anders!

Bund, Land und Stadt Bayreuth fördern gemeinsam

Der Bund fördert die Bayreuther Festspiele seit 1953. Zwar sind die Länder grundsätzlich für die Förderung der Kultur zuständig, Kultureinrichtungen von gesamtstaatlicher Bedeutung darf der Bund aber gleichwohl unterstützen. Diese gesamtstaatliche Bedeutung steht bei den Bayreuther Festspielen außer Frage, werden sie doch allgemein als das bedeutendste Musikfestival in Deutschland bezeichnet.

Dieses wichtige Feld kann der Freistaat Bayern dem Bund natürlich nicht allein überlassen. Deshalb subventioniert auch der Freistaat die Bayreuther Festspiele, und auch die Stadt Bayreuth lässt es sich nicht nehmen, ihren finanziellen Beitrag zu leisten.

In den letzten Jahren betrug die Förderung der Festspiele GmbH durch die öffentlichen Hände rd. 5,5 Millionen Euro jährlich bei Erträgen von rd. 15 Millionen, die die Festspiele GmbH insgesamt erzielte - davon etwas mehr als die Hälfte aus Ticketverkäufen. So ist es häufig bei der Kulturförderung: Bund, Land und Gemeinde fördern gemeinsam. Zu den dabei entstehenden bürokratischen Aufwänden möchte ich lieber nichts sagen! Seit 2008 sind Bund, Freistaat Bayern und die Stadt Bayreuth sogar mit jeweils 25 % an der  Festspiele GmbH beteiligt, können deren Wirtschaftsführung also direkt steuern.

Politische Diskussion der Kartenvergabe und Prüfung durch den Rechnungshof

In den Jahren 2009/2010 entstand im politischen Raum eine Diskussion über die Bayreuther Festspiele. Nicht etwa über die Sinnhaftigkeit der Förderung mit Steuergeldern, sondern über die Kartenvergabe der Festspiele wurde im deutschen Bundestag diskutiert. Auslöser der parlamentarischen Aufregung war die Sorge, dass möglicherweise die falschen Leute in den Genuss der Subventionierung kämen. Zugang zu den Festspielen hätten nur bestimmte - gutsituierte - Kreise. Demgegenüber sei die Förderung durch den Bund traditionell damit begründet worden, dass einem möglichst breiten Publikum der Zugang zum Werk Richard Wagners ermöglicht werden solle. Dass man die Festspiele eventuell gar nicht fördern sollte, war nicht Gegenstand der parlamentarischen Diskussion.

Daraufhin prüfte der Bundesrechnungshof und stellte fest, dass in der Tat nur 40 % der Karten in den freien Verkauf gelangten, bei Premieren sogar nur 16 %. Die übrigen Karten wurden zum regulären Preis in Kontingenten an bestimmte Gruppen abgegeben - Förderverein, Reiseveranstalter, Politiker und sonstige Würdenträger - oder gingen als Freikarten u.a. an die Presse - mit der Auflage, über die Festspiele zu berichten. Weiterhin wurde bekannt, dass die „normalen“ Kunden, die nicht zu den bevorzugten Gruppen gehörten, mit Wartezeiten von durchschnittlich 10 Jahren beim Kartenkauf zu rechnen hatten. 58.000 pro Festspielsaison verfügbaren Plätzen standen im untersuchten Zeitraum 438.000 Anfragen nach Karten gegenüber.

Diskussion in der Presse und weitere Entwicklung

Die Presse griff die politische Diskussion auf und berichtete zusätzlich, dass sich bezüglich der Festspiel-Karten ein blühender Schwarzhandel entwickelt habe. Im Internet würden die Karten insbesondere als Paket zusammen mit einer Hotelübernachtung zu horrenden Preisen angeboten. Teilweise würde das 35-fache des Normalpreises gefordert. Einige Medien führten genüsslich aus, dass sich bei einer Exklusiv-Aufführung für den bayerischen Gewerkschaftsbund auffällig viele Wagen mit Düsseldorfer und Hamburger Kennzeichen auf dem Parkplatz hinter dem Festspielhaus befunden hätten. Da habe sich wohl mancher Gewerkschafter ein nettes Zubrot auf dem Schwarzmarkt verdient.

Seit der Diskussion vor einigen Jahren hat sich nicht viel bewegt. Ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue im Zusammenhang mit den Kartenverkäufen wurde von der zuständigen Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich wieder eingestellt. Immerhin gelangen statt 40% jetzt 60% der Karten in den freien Verkauf, da die Kontingente für einige bevorzugte Gruppen und die Anzahl der Freikarten reduziert wurden. Auch wurden die Kartenpreise – maßvoll – erhöht. Eine Marktstudie zur Feststellung von Preiserhöhungsspielräumen wurde entgegen den Vorschlägen des Bundesrechnungshofs allerdings nicht durchgeführt. Die Opposition im Deutschen Bundestag ist mit der geschilderten Entwicklung nicht zufrieden und fordert, der Bund solle seine finanzielle Unterstützung der Bayreuther Festspiele einstellen. Zugang zu den Festspielen habe nach wie vor nur eine Elite. Unterrepräsentierte Gruppen kämen nicht ausreichend zum Zuge.

Eine marktwirtschaftliche Lösung

Auch ich bin der Auffassung, dass die Förderung der Bayreuther Festspiele durch den Bund - und ebenso durch den Freistaat Bayern - alsbald beendet werden sollte. Der Umstand, dass im Zusammenhang mit den Festspiel-Karten ein blühender Schwarzmarkt entstanden ist, spricht für massive Fehlsteuerungen, die sofort beseitigt werden sollten. Der beschriebenen gewaltigen Nachfrage nach Festspiel-Karten sollte mit marktwirtschaftlichen Mitteln begegnet werden, also mit Preiserhöhungen oder durch eine Ausweitung des Angebots.

Durch die Subventionen der öffentlichen Geldgeber waren bisher solche Überlegungen nicht erforderlich, die Signale des Marktes konnten ignoriert werden. Dabei müsste es für unternehmerisch denken Menschen doch ausgesprochen reizvoll sein, hier Angebot und Nachfrage mit Kreativität zu einem Ausgleich zu bringen, und zwar so, dass die Festspiel GmbH in Zukunft ohne staatliche Unterstützung auskommt. Unterrepräsentierten Gruppen der Bevölkerung könnte, wenn politisch gewollt, durch direkte Förderung wie Gutscheine und Ähnliches der Zugang zu den Festspielen ermöglicht werden.

In diesem Zusammenhang sollte man nicht vergessen, liebe Leserinnen und Leser, dass Richard Wagner seine Bayreuther Festspiele als privatwirtschaftliches Unternehmen gegründet hat! Dabei war Wagner alles andere als ein Finanzgenie und durchaus schon mal auf der Flucht vor seinen Gläubigern. Zur Finanzierung des Festspielhauses half der damalige bayerische König dem Komponisten im Jahr 1874 mit einem Darlehen von 100.000 Talern aus. Das Darlehen stammte aber aus der privaten Schatulle des Königs, nicht etwas aus der Staatskasse, und wurde später von den Erben Wagners brav zurückgezahlt. Diese konnten anschließend aus dem Festspielbetrieb ein beträchtliches Vermögen aufbauen, ganz ohne Subventionen!

Es sollte heute doch wieder möglich sein, dass die Bayreuther Festspiele wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen, ganz ohne Steuergelder, so wie vor über hundert Jahren,  meint

Ihr opernbegeisterter


Gotthilf Steuerzahler