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Die Entstehung von Spekulationsblasen

Wer sich mit der Geschichte der Finanzmärkte auseinandersetzt, findet dort eine immer wiederkehrende Abfolge deutlich ausgeprägter Zyklen. Steigende Kurse werden von euphorischem Optimismus, fallende Kurse von depressivem Pessimismus begleitet.

Dieses Muster kehrt, wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung, immer wieder, ganz gleich, ob es sich um Aktien, Immobilien, Anleihen, Rohstoffe, Kunst oder auch Tulpenzwiebeln handelt. Diese Zyklen, die durch die allzu menschlichen Emotionen Angst und Gier, sowie Hoffnung und Sorge getragen werden, sind wohl charakteristisch für eine Marktwirtschaft. Im Grunde ist dies auch kein Problem, da diese Muster normalerweise in geregelten Bahnen ablaufen.

Meist handelt es sich auch nur um einen Markt oder ein Marktsegment, das von Euphorie oder Depression erfasst wird. Entsprechend gering ist die Zahl der betroffenen Marktteilnehmer. Auch bewegen sich die Auf- und Abschwünge in relativ engen Spannen, so dass die von ihnen ausgehenden Impulse auf die Volkswirtschaft gering sind und kaum Störungen verursachen.

In seltenen Fällen aber sprengen Märkte den begrenzten Rahmen normaler Auf- und Abwärtsbewegungen. Es kommt zu Kurssteigerungen, die nicht mehr ökonomisch erklärbar sind und Anleger wie Spekulanten en masse in die Finanzmärkte treibt. Dieses relativ seltene Phänomen nennt sich Spekulationsblase.

Frühe historische Beispiele für Spekulationsblasen sind die Tulpenzwiebel-Blase in Holland (1636 bis 1637 (siehe Abbildung oben), die Mississippi-Bubble (1719 bis 1720) in Frankreich und die Südsee-Blase (1720) in England. Sie alle waren von Gier, Euphorie, Wunschdenken und Irrationalität geprägt.

7 Merkmale, an denen Sie die Entstehung einer Spekulationsblase erkennen

Anhand der Finanzmarktgeschichte können einige typische Eigenschaften von Spekulationsblasen ganz mühelos erkannt werden:

  1. Wenn Spekulationsblasen entstehen, ist die Welt gewöhnlich noch in Ordnung. Banken, Versicherungen, Anleger und Spekulanten, sie alle verdienen Geld. Niemanden geht es schlecht und die Wirtschaft brummt. Die betroffenen Märkte steigen bereits über einen längeren Zeitraum mehr oder weniger stark an. Erinnerungen an verlustbringende Zeiten sind komplett in Vergessenheit geraten. Die Mentalität „Buy higher, sell higher" („Kaufe teuer, verkaufe teurer") beginnt sich zu etablieren.

  2. Wichtig ist es nun, dass etwas Neues auf den Markt kommt, an dem sich die Phantasie der Anleger entzündet. Das können neue Produkte und Technologien sein, aber auch neue Fertigungstechniken. Beispiele sind Tulpenzwiebeln, bedeutende Erfindungen wie die Eisenbahn oder Computer, technische Innovationen wie die Einführung der Fließbandproduktion etc. Die Aktien der Unternehmen, die mit diesen Neuerungen befasst sind, steigen überproportional stark an, wobei der jähe Absturz die Dynamik der vorangegangenenen Kurssteigerungen gewöhnlich übertrifft.

  3. Ein für Spekulationsblasen typisches Merkmal ist das Spekulieren auf Kredit. Dies kann entweder über Wertpapierkredite erfolgen oder indirekt über Derivate wie beispielsweise Futures und Optionen.

  4. Charakteristisch für Spekulationsblasen ist das Eintreten eines sich selbst verstärkenden Booms. Es kommt zu Kursanstiegen, die jeder Grundlage entbehren. Nach dem Motto „ Dieses Mal ist alles anders" werden Zweifel weggewischt. Ist die Blase entsprechend angewachsen, greift der Boom auf andere Bereiche über. Manchmal beflügelt er so ganze Volkswirtschaften.

  5. Der Boom, der sprudelnde Gewinne verspricht, zieht Schwindler und Betrüger an. Erst nach dem Platzen der Spekulationsblase kommt deren Handeln ans Tageslicht.

  6. Ein regulatorisches Einschreiten seitens der Zentralbankbürokraten oder anderer Institutionen bleibt aus. Im Gegenteil oft heizen sie die Blase noch an.

  7. Die notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Entstehung von Spekulationsblasen ist überreichliche Liquiditätsversorgung. Spekulationsblasen könnten sich ohne Geld- und Kreditmengensteigerungen nicht entwickeln. Hinter jeder historisch dokumentierten Spekulationsblase findet man eine Geld- und Kreditquelle, die die spekulative Preistreiberei erst ermöglichte. Geld- und Kreditmengenwachstum ist die Voraussetzung aller Spekulationsblasen. Ohne diese Voraussetzung wären die in Punkt eins bis sechs genannten Merkmale hinfällig.

Was gehen mich Spekulationsblasen an?

Viele Anleger stellen sich die Frage, was geht es mich an, wenn eine Spekulationsblase entsteht und platzt? Antwort: sehr viel.

Denn dieser künstliche, auf Geld- und Kreditmengenwachstum basierende Aufschwung verführt dazu, in den unterschiedlichsten Bereichen der Wirtschaft die Weichen falsch zu stellen. Kapitalfehlallokationen und Fehlinvestments mit unter Umständen dramatischen Auswirkungen sind die Folge.

So kommt es nach dem Platzen der Blase zu Arbeitslosigkeit, Pleiten, faulen Krediten, Skandalen, Rezession oder sogar Depression. Erst nach dem Platzen zeigt die Blase ihr wahres Gesicht. Und die Gegenreaktion fällt umso schlimmer aus, je länger der vorangegangene künstliche Boom angehalten hat.

Rezessionen sind prinzipiell notwendig, um in der Boom-Phase gemachte Fehler zu bereinigen. Hier lässt Schumpeters kreative Zerstörung grüßen. Einen Vorgeschmack dieser unangenehmen Kehrseite von Spekulationsblasen haben Sie in den Jahren 2000 bis 2003 - als die Aktienblase platzte - sowie 2007 bis 2009 mit dem Platzen der Immobilienblase, erlebt.

Wenn der ökonomisch sinnvolle, ja notwendige Bereinigungsprozess, der durch das Platzen der Blase ausgelöst wird, durch immer weitere Geld- und Kreditmengenausweitungen verhindert wird, kommt es zu gravierenden ökonomischen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen. Die gesamte Wirtschaftsstruktur und die Geisteshaltung der Marktteilnehmer passen sich den künstlich geschaffenen Bedingungen des leichten Geldes an.

Wenn die Notenbanken bei jeder sich anbahnenden echten oder auch nur eingebildeten Krise eingreifen, kommt es zum „Moral Hazard". Anleger, Spekulanten, Banken, Versicherungen und Fonds gehen unvernünftig große Risiken ein, weil sie sich im Verlustfall auf die Vollkaskoversicherung, also auf die Rettungsaktionen der Notenbank verlassen und nicht mehr voll zur Rechenschaft gezogen werden. Das bedeutet ganz einfach: Solange alles gut geht, verdienen sie schönes Geld. Aber sobald die Spekulationsblase platzt, werden sie - auf Kosten der Allgemeinheit - von den Notenbanken gerettet. Es entsteht ein Teufelskreis, der immer weiter in die Krise führt.

KRISENSICHER INVESTIEREN-Themenschwerpunkt-Ausgabe

Eine ausführliche Analyse der der aktuellen Spekulationsblase, die neben Aktien und Immobilien auch Anleihen erfasst hat, lesen Sie in unserer KRISENSICHER INVESTIEREN Themenschwerpunkt-Ausgabe "Spekulationsblasen gestern und heute - Wird diese Blase niemals platzen?"

Aus dem Inhalt:

  • Irrationale Massenbewegungen sind kein neues Phänomen

  • Zentralbanken im Zentrum der Euphorie

  • Die Rolle der Phillips-Kurve

  • Pro und Kontra: Jeremy Granthams Argumente

  • Die Epoche der Spekulationsblasen beginnt: Japan Ende der 1980er Jahre

  • Was Sie über Spekulationsblasen wissen müssen

  • Amerika bestimmt den Wirtschaftszyklus und die Finanzmärkte Europas

  • Überbewertung und Spekulieren auf Kredit

  • Zentralbankkult befeuert die aktuelle Spekulationsblase

  • „Dieses Mal scheint alles ganz, ganz anders zu sein“

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